SFC-Modell · Stufe 5: Reale Produktion & KonjunkturGoodwin-Keen · Krisen entstehen von selbst

Endlich die reale Seite: Produktion aus Kapital & Arbeit, Produktivitätswachstum, Beschäftigung, Lohnquote und Schulden. Das Verblüffende: Ohne jeden äußeren Schock entstehen von selbst Konjunkturzyklen — Boom, Überschuldung, Rezession, Erholung. Und der Zins bestimmt, wie heftig sie ausfallen. Drück Start.

Stellschrauben

höher → heftigere Zyklen, mehr Schulden
Jahr0
— bereit —
Integrität: Variablen in gültigem Bereich, beschränkt ✓

Konjunkturzyklus über Zeit

Beschäftigung λ   Lohnquote ω   Schuldenquote d

Goodwin-Phasendiagramm (der „Herzschlag")

x: Beschäftigung λ  ·  y: Lohnquote ω  —  die Wirtschaft kreist endlos um ihr Gleichgewicht
Reales BIP
BIP-Wachstum/J
Beschäftigung
Schuldenquote

Stufe 5 erklärt — das Goodwin-Keen-Modell Die reale Produktionsseite plus Finanzdynamik. Hier entstehen Konjunkturzyklen endogen — ganz ohne äußeren Anstoß.

Die reale Wirtschaft

Produziert wird mit Kapital und Arbeit: Output Y = Kapital / Kapitalkoeffizient (ν). Die Beschäftigung folgt aus Output und Produktivität: mehr Output → mehr Jobs. Die Produktivität wächst stetig (α ≈ 2,5 %/Jahr) und die Bevölkerung auch (β ≈ 2 %) — daraus ergibt sich ein realer Wachstumstrend von ~4,5 %/Jahr. Das ist das ehrliche reale BIP-Wachstum, nach dem du gefragt hast — es kommt aus Produktivität und Bevölkerung, nicht aus dem Geld.

Der Goodwin-Zyklus — Räuber & Beute

Das Herzstück ist ein Wechselspiel wie bei Räuber und Beute:

hohe Beschäftigung → Löhne steigen (Phillips-Kurve) → Lohnquote ω steigt → Gewinne sinken → Investition sinkt → Beschäftigung sinkt → Löhne fallen → … und von vorn.

Niemand drückt einen Knopf — das System kreist von selbst. Im Phasendiagramm rechts siehst du diesen ewigen Herzschlag: Die Wirtschaft umrundet ihr Gleichgewicht in einer geschlossenen Schleife. Jede Runde ist ein Konjunkturzyklus (~11 Jahre): Boom mit Vollbeschäftigung, dann Abschwung mit Arbeitslosigkeit.

Minsky & der Zins — warum Schulden alles instabiler machen

Jetzt kommt der Finanzteil (Minsky): Im Boom investieren Firmen mehr, als sie an Gewinn haben — sie verschulden sich (Schuldenquote d steigt, rote Linie). Der Zins auf diese Schuld frisst Gewinn:

Gewinnanteil π = 1 − ω (Lohnquote) − r·d (Zinslast)

Schieb den Zinssatz r hoch: Die Zyklen werden heftiger — tiefere Rezessionen, höhere Schuldenberge. Bei niedrigem Zins atmet die Wirtschaft ruhig, bei hohem Zins schlägt sie wild aus. Genau das ist Minskys These: Finanzielle Stabilität erzeugt Instabilität, und der Zins ist der Verstärker. Das verbindet diese Stufe direkt mit deinem Geldsystem-Thema.

Ehrlichkeits-Hinweis

Dass Konjunkturzyklen endogen entstehen (ohne äußeren Schock), ist ein zentrales, gut belegtes Ergebnis dieser Modellklasse (Goodwin 1967, Keen 1995). Die genaue Form hängt von den Verhaltensfunktionen ab (Phillips-Kurve, Investitionsverhalten) — die sind hier plausibel kalibriert, aber Annahmen. Real beobachtet man genau solche Beschäftigungs-Lohn-Schulden-Zyklen. Diese Modellklasse (agentenbasiert + stock-flow-konsistent) ist die Forschungsfront, die ich dir zur DSGE-Frage beschrieben hatte.
Letzte Stufe: Wir bauen die Freigeld-Variante ein (Umlaufsicherung statt Zins) und stellen beide Systeme im vollen, konsistenten Rahmen gegenüber — die ehrliche Antwort auf deine Ausgangsfrage.