Wirtschaftsschule · Fundament · Lektion 2

Prozente — die Sprache der Wirtschaft

Ohne Prozente versteht man keine einzige Finanznachricht. Die gute Nachricht: Es ist simple Mathematik. Die überraschende: Fast jeder macht denselben Denkfehler — du gleich nicht mehr.

Eine Aktie fällt um 50 %. Am nächsten Tag steigt sie wieder um 50 %. Bist du wieder bei null?

100 €, erst −50 %, dann +50 % — was bleibt?

Was „Prozent" eigentlich heißt

Prozent kommt aus dem Lateinischen: pro cento = „pro hundert". 1 % ist also 1 von 100, oder als Bruch 1/100 = 0,01. Mehr ist es nicht. Alles andere folgt daraus.

Prozent ausrechnen — die eine Formel

„x % von y" heißt: nimm y, teile durch 100, mal x.

x % von y = (x / 100) · y   →   z. B. 20 % von 80 € = 0,20 · 80 = 16 €

Eine Veränderung um x % rechnest du am elegantesten mit einem Faktor: +x % bedeutet „mal (1 + x/100)", −x % bedeutet „mal (1 − x/100)". Aus +7 % wird also der Faktor 1,07, aus −50 % der Faktor 0,5.

Warum −50 % und +50 % nicht null ergeben

Weil du die Faktoren multiplizierst: 0,5 · 1,5 = 0,75 — du landest bei 75 %. Probier es selbst mit beliebigen Veränderungen:

Startwert100 €
Erste Veränderung−50 %
Zweite Veränderung+50 %
Endwert
Gesamt-Veränderung
Faktoren multiplizieren: Endwert = Start · (1 + a) · (1 + b). Gleiche Plus- und Minus-Prozente heben sich nie ganz auf.

Prozent vs. Prozentpunkt — der Klassiker-Fehler

Der Zins steigt „von 2 % auf 3 %". Um wie viel? Beides ist richtig, aber verschieden: Es sind 1 Prozentpunkt (die absolute Differenz, 3 − 2) — und gleichzeitig +50 Prozent (relativ, denn 1 ist die Hälfte von 2). Wer das verwechselt, versteht halbe Wirtschaftsnachrichten falsch. Merke: Prozentpunkt = Differenz, Prozent = Verhältnis.

Die multiplikative Natur — und warum der Durchschnitt täuscht

Mehrere Veränderungen hintereinander sind ein Produkt von Faktoren:

Endwert = Start · (1 + r₁)(1 + r₂)…(1 + rₙ)

Deshalb ist der richtige Mittelwert von Renditen nicht der arithmetische, sondern der geometrische Mittelwert (die n-te Wurzel des Produkts). Beispiel: +50 % und −50 % haben arithmetisch den Mittelwert 0 %, geometrisch aber √(1,5 · 0,5) − 1 = √0,75 − 1 ≈ −13,4 % pro Periode — und genau das spiegelt deinen realen Verlust wider.

Log-Renditen: der Trick der Profis

Weil Multiplizieren mühsam ist, rechnen Profis mit logarithmischen Renditen ln(1 + r). Die darf man nämlich addieren: ln(a·b) = ln(a) + ln(b). So werden aus mühsamen Produkten einfache Summen — die Grundlage fast aller Finanzmathematik.

💶 Was heißt das für dein Geld?

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