Nach Klassik, Marx, Keynes, Monetarismus und den Österreichern: Welche Schule hat die Wahrheit?
Der heutige Mainstream ist eine Synthese: Die Neukeynesianische Theorie verbindet neoklassische Fundamente mit trägen Preisen und Marktfehlern. Dazu kam die verhaltensökonomische Revolution (Kahneman, Thaler), die echte Psychologie zurückbrachte — und ein starker empirischer Schwenk (natürliche Experimente, Daten). Daneben fordern heterodoxe Schulen den Mainstream heraus.
Tipp auf eine Schule, um sie kennenzulernen. Waagerecht: viel Staat ↔ freier Markt. Senkrecht: Märkte krisenanfällig ↔ selbstheilend.
Jede sitzt woanders — weil jede eine andere Frage stellt und ein anderes Versagen betont.
Drei große Bewegungen prägen das Fach heute: die empirische Wende (glaubwürdige Kausalität aus Daten statt reiner Theorie — Nobelpreise für Card, Angrist, Imbens), die Verhaltensökonomie (systematische Abweichungen von der Rationalität, Block 5) und die Komplexitäts-/Netzwerk-Ökonomik (die Wirtschaft als komplexes adaptives System). Die makroökonomischen DSGE-Modelle gerieten nach 2008 in die Kritik, weil sie die Finanzkrise verpassten — seither rücken Finanzsektor und Instabilität (Minsky!) wieder ins Zentrum.
Dieses ganze Projekt begann mit einer Frage: heutiges Zinsgeld vs. Gesells Freigeld. Jetzt kannst du sie selbst verorten. Gesell ist heterodox: marktfreundlich im Tausch, aber radikal geldsystem-kritisch. Seine Diagnose (der Zins/Kreditzyklus destabilisiert und konzentriert Vermögen) teilt er mit Minsky und — überraschend — teils mit den Österreichern. Seine Therapie (Schwundgeld, Zins gegen null) ist einzigartig und nur klein erprobt (Wörgl 1932). Genau das zeigten auch unsere Simulationen: ein realer Effekt auf Umlauf und Ungleichheit — aber kein Wundermittel. Ehrlich bleibt: eine faszinierende Idee mit offenen Fragen, kein fertiges Rezept.
Tipp: Im 🔵 Geek-Modus stehen die empirische Wende, die DSGE-Kritik nach 2008 — und die ehrliche Verortung von Gesells Freigeld unter den Schulen.