Ungleichheit — wenn Kapital schneller wächst als die Wirtschaft
Wachstum hebt den Durchschnitt — aber wie verteilt es sich? Diese Lektion erklärt mit einer einzigen
Ungleichung, warum Vermögen dazu neigt, sich oben zu sammeln. Und sie schlägt die Brücke zu unserer eigenen
Geldsystem-Simulation.
Anna erbt ein Vermögen und lässt es einfach für sich arbeiten (Rendite r). Ben arbeitet, sein Lohn
wächst mit der Wirtschaft (Rate g). Wer zieht über die Jahrzehnte davon?
Wer zieht davon, wenn r > g?
Worum geht's?
Der Ökonom Thomas Piketty hat eine einfache Beobachtung berühmt gemacht: Historisch lag die
Kapitalrendite r
meist über dem Wachstum g. Wenn das gilt, wächst angehäuftes Vermögen schneller als Löhne und Wirtschaft —
und sein Gewicht in der Gesellschaft nimmt zu. Vergangenheit (Erbe) dominiert dann die Gegenwart (Arbeit).
Die Schere von r und g
Schieb an Kapitalrendite und Wachstum. Solange r über g liegt, öffnet sich die Schere — das Vermögen (gold) zieht
der Wirtschaft/den Löhnen (blau) davon:
Kapitalrendite r5,0 %
Wirtschaftswachstum g1,5 %
r − g (Schere)
—
Vermögen/Wirtschaft nach 50 J
—
Vermögen (wächst mit r)
Wirtschaft & Löhne (wachsen mit g)
Stell r ≤ g ein: Dann schließt sich die Schere — Vermögen wächst nicht schneller als die
Wirtschaft, die Konzentration treibt nicht auseinander. Genau hier setzen Gegenkräfte an: Steuern, Wachstum, Krisen,
die Vermögen entwerten — und, in unserem Projekt, Gesells Freigeld, das r Richtung null drücken will.
Die Kapital-Fundamentalgesetze
Piketty beschreibt das Verhältnis von Vermögen zu Volkseinkommen β = Vermögen / Einkommen. Langfristig strebt es
gegen die Sparquote geteilt durchs Wachstum:
β* = s / g und Kapitalanteil α = r · β
Sinkt g (z. B. wegen Demografie, Lektion 4), steigt β — bei gegebenem r wächst der Kapitalanteil α am
Volkseinkommen. Das ist die formale Seite von „r > g treibt die Konzentration".
Dieselbe Mechanik wie in unserer Simulation
Genau diesen Effekt siehst du in SFC-Stufe 6: Das verzinste Vermögen
der „Rentiers" wächst mit r, die Wirtschaft mit g — der Gini-Koeffizient
läuft im Zinssystem auseinander und bleibt im Freigeld stabil. Diese Lektion ist die Theorie dahinter.
Ehrlich & umstritten: r > g als alleiniger Treiber ist in der Forschung umstritten.
Kritiker betonen, dass Vermögen verzehrt, aufgeteilt und besteuert wird, dass soziale Mobilität zählt und r für kleine
Sparer niedriger ist als für große. Der Mechanismus ist real, aber nur ein Faktor unter mehreren.
💶 Was heißt das für dich?
Komm auf die Kapital-Seite. Die nüchterne Lehre aus r > g: Wer nur Arbeitseinkommen hat, bleibt eher
auf der g-Seite. Schon kleines, früh aufgebautes Kapital lässt dich an der r-Seite teilhaben (Block 5).
Zeit ist dein Verbündeter. Dieselbe Zinseszins-Kraft, die große Vermögen wachsen lässt, wirkt auch für
dich — nur eben ab einem kleineren Startpunkt. Früh anfangen ist der Hebel.
Verstehe die Debatte. Ob über Steuern, Erbschaft oder Rente gestritten wird — r > g ist der unsichtbare
Kern vieler dieser Diskussionen. Wer ihn kennt, durchschaut die Argumente beider Seiten.
Tipp: Der 🔵 Geek-Modus bringt Pikettys β = s/g, den Kapitalanteil
α = r·β und die direkte Verbindung zum Gini-Verlauf in SFC-Stufe 6.